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elk sien moeg



"Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?" (Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon)

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elk sien moeg = jedem was er mag= suum cuique , dem ersten philosophischen Spruch in meiner friesischen Heimat (meiner Mutter), der signalisieren soll, dass es mir hier um alltägliche Reflexionen, um kulturelle Erfahrungen, um ästhetische Entdeckungen geht, die mir widerfahren.

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Büchernarren im Mittelalter: Wie die Renaissance begann

Die Neuzeit beginnt auch mit der Leidenschaft von Büchersammlern: Hier an der Biographie von Poggio Bracciolini aufgezeigt, der das letzte Exemplar von Lukrez Naturgedicht "De rerum natura" wahrscheinlich in einer Klosterbibliothek in Fulda wiederfindet, kopiert und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Stephen Greenblatt hat die Geschichte dieses Buches wissenschaftlich rekonstruiert und nimmt uns mit auf die Reise, die uns kurzweilig durch das ausgehende Mittelalter führt und zeigt, wie weit die griechische Philosophie und dann die römische schon die Moderne angedacht hat: Eine Voraussetzung für die rasante Entwicklung der Wissenschaften, aber auch für die Entwicklung der Grundrechte in der frühen Neuzeit. Nicht nur die Theorie der kleinsten Teilchen gründet die moderne Physik, sondern auch die Philosophie des Glücks eines Epikurs finden wir später in der amerikanischen Verfassung über Lukrez vermittelt wieder: pursuit of happiness, das Streben nach Glückseligkeit als Grundrecht. Diese Lektüre macht Lust, Lukrez einmal nachzulesen, eine Erinnerung an den Latein- und Philosophieunterricht im Mariengymnasium in Jever, als wir Bruckstücke davon - manchmal verzweifelt - davon aufnahmen, aber nicht richtig wahrnahmen. Oder doch?
23.7.12 16:22


Swetlana Geier: Ein Leben zwischen den Sprachen

Ein wunderbares Buch über das Leben und Übersetzen zwischen zwei Kulturen. Was geht beim Übersetzen verloren: Vieles, habe ich gelernt, den "Transportverlust" muss man sich immer klar machen. Nie erreicht man die andere Kultur, den anderen Autor ganz. Und dann taucht plötzlich Beccaria auf, den Diderot nicht hoch schätzte: Verbrechen und Strafe (1764), der aber im Salon sich präsentierte. Statt "Schuld und Sühne". Und der Film "Die fünf Elefanten" ergänzt nicht nur das Ganze. Für die Übersetzung zu leben, in dieser eigenartigen Konstellation von Übersetzung, mit einer Schreibmaschine einer Freundin zu Papier bringen, sich alles von einem Vorleser lesen lassen und mit ihm über die Möglichkeiten, den Wortklang, ... zu reden.
Und dazu gehört diese dramatische Lebensgeschichte: Nicht nur dass der Vater in Stalins Gefängnissen fast zu Tode dranglasiert wurde, als Kind konnte sie das Maschiengewehrfeuer aus Babyn Jar hören, viele Zufälligkeiten und Menschen haben ihr geholfen.
2.2.12 12:45


Böse Philosophen

Das vergessene Erbe der Aufklärung sich von Philipp Blom erläutern zu lassen ist spannend und gleichzeitig hochaktuell. Die Radikalität von Diderot und d`Holbach, die Modernität bestimmter Artikel in der Encyclopedie fordert einen auch heute heraus, sowohl in der Beziehung zur Religion oder Kirche, als auch in der Haltung zur Wahrhaftigkeit. Das Streben nach Glück, oder Lust und Genuss zu einem philosophischen Kernpunkt eigenen Denkens aber auch des Nachdenkens über Gesellschaft und politische Zustände zu machen, läßt die Lektüre nie langweilig werden. Wie können wir heute "das Wagnis des Denkens" in ähnlicher Weise aufnehmen, Salons einrichten, Gespräche führen. Blogs sind hier nur ein sehr reduzierte Form, die aber in manchen Ländern, deren gesellschaftliche Situation sich mit der Situation Frankreichs Mitte des 18. Jahrhundert vergleichen läßt, heute revolutionären Charakter haben können. Trotzdem ist der lebendige face-to-face Dialog oder Disput notwendig. Interessant wäre es Themen, wie in "Die Welt der ENCYCLOPÈDIE" (Die andere Bibliothek 2001) geschehen, auf unsere Gesellschaft zu beziehen, grundlegend zu diskutieren, mit den heutigen gesellschaftlichen Fragen in Beziehung zu bringen.
28.1.12 12:46


11.1.12 00:02


Der Maler und das Mädchen

Zunächst die Zeichungen von Rembrandt angesehen: eigenartige Distanz, solch einen Leichnam einer Frau zu zeichnen und dann ans kolorieren zu denken. Ein intensiver Schluss. Wieder überzeugend die Sprache, die so norddeutsch wirkt, das Hineintauchen in andere Personen. Alles läuft letztlich auf den Moment des Zeichnens hinaus.
Das Kapitel in Geert Maks Geschichte von Amsterdam ist eine gute Begleitlektüre, dort war mir das Bild auch schon vor einigen Jahren begegnet, aber in der komplexen Geschichte Amsterdams untergegangen.



Eine schöne Lesung mit Magriet de Moor im NDR in Hannover hatte dieses Buch vorbreitet.
24.6.11 00:22


Glück als Umfangensein

"Mit dem Glück ist es nicht anders als mit der Wahrheit: Man hat es nicht, sondern ist darin. Ja, Glück ist nichts anderes als das Umfangensein, Nachbild der Geborgenheit in der Mutter. Darum aber kann kein Glücklicher je wissen, daß er es ist. Um das Glück zu sehen, müßte er aus ihm heraustreten: er wäre wie ein Geborener. Wer sagt, er sei glücklich, lügt, indem er es beschwört, und sündigt so an dem Glück. Treue hält ihm bloß, der spricht: ich war glücklich. Das einzige Verhältnis des Bewußtseins zum Glück ist der Dank: das macht dessen unvergleichliche Würde aus."
Theodor W. Adorno, Minima Moralia, Frankfurt 1970: Suhrkamp, 143f.

Noch so viel Lektüre und Diskussion über Glück ist es doch beruhigend, zu Adorno zurück kehren zu können.
18.6.11 22:13


Bewußtsein und Hirnforschung

Wie können wir uns überhaupt selbst bewußt sein und welche Voraussetzungen sind dafür notwendig , damit setzt sich der "Ego-Tunnel" von Thomas Metzinger auseinander. Wir simulieren dieses Bewußtsein, wie an verschiedenen Beispielen gezeigt werden kann, wenn diese Simulation offensichtlichen Irrtümern aufgesessen ist oder wenn wir plötzlich neben uns stehen sehen. Manchmal ist die Beziehung zur Hirnforschung doch etwas zwanghaft, die Tunnel-Metapher nicht wirklich notwendig, und die Beschäftigung mit simulierten Körperteilen erscheint sehr künstlich. Die Auseinandersetzung mit eigenen "Out-of-Body"-Erlebnissen ist m.E. doch ziemlich überinterpretiert. Trotzdem ist die Auseinandersetzung mit den strukturellen Fragen des Bewußtseins sehr interessant. Dem Aspekt der Sprache und ihrer Genese in der individuellen Entwicklung in der Interaktion wird allerdings viel zu wenig Raum zu gemessen. Da wird dann leicht eine Vergleichstabelle zwischen Freud und Neurobiologie trivial und falsch. Hier wäre ein Vergleich zwischen moderner psychologischer Forschung und Neurobiologie angemessener.
16.1.11 18:31


Der Anfang von etwas Schönem

Lizzie Doron hat einen bemerkenswerten Roman über die Lebensgeschichten von 3 Kindern von Holocaust-Überlebenden aus einem Stadtteil von Tel Aviv geschrieben. Es scheint, dass das Trauma der nach dem Krieg geborenen fast ebenso groß, teilweise größer ist, wie das der Eltern, die die Konzentrationslager überlebten. Der Roman ist nicht "hinreißend komisch", wie der Klappentext weis machen will. Mich hat der Roman mitgenommen und berührt. Die Kinder kämpfen mit einer psychischen Last, die sie von den Eltern nicht übernehmen wollten, jeder endet in einer individuellen Tragik. Das dies auf nicht alle zutrifft, scheint Lizzie Doron selbst aufzuzeigen und der Erfolg ihrer Romane. Ich bin auf weitere Texte von ihr gespannt. Eine Kurzdarstellung bei der Lyrikwelt: Rezension von Sigrid Brinkmann in freitag
24.10.10 15:13


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