"Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem
leben können, was in uns ist - was geschieht mit dem Rest?"
(Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon)
elk sien moeg = jedem was
er mag= suum cuique , dem ersten philosophischen Spruch in meiner
friesischen Heimat (meiner Mutter), der signalisieren soll, dass es mir
hier um alltägliche Reflexionen, um kulturelle Erfahrungen, um
ästhetische Entdeckungen geht, die mir widerfahren.
Interessante Weblogs:
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Böse Philosophen
Das vergessene Erbe der Aufklärung sich von Philipp Blom erläutern zu lassen ist spannend und gleichzeitig hochaktuell. Die Radikalität von Diderot und d`Holbach, die Modernität bestimmter Artikel in der Encyclopedie fordert einen auch heute heraus, sowohl in der Beziehung zur Religion oder Kirche, als auch in der Haltung zur Wahrhaftigkeit. Das Streben nach Glück, oder Lust und Genuss zu einem philosophischen Kernpunkt eigenen Denkens aber auch des Nachdenkens über Gesellschaft und politische Zustände zu machen, läßt die Lektüre nie langweilig werden. Wie können wir heute "das Wagnis des Denkens" in ähnlicher Weise aufnehmen, Salons einrichten, Gespräche führen. Blogs sind hier nur ein sehr reduzierte Form, die aber in manchen Ländern, deren gesellschaftliche Situation sich mit der Situation Frankreichs Mitte des 18. Jahrhundert vergleichen läßt, heute revolutionären Charakter haben können. Trotzdem ist der lebendige face-to-face Dialog oder Disput notwendig. Interessant wäre es Themen, wie in "Die Welt der ENCYCLOPÈDIE" (Die andere Bibliothek 2001) geschehen, auf unsere Gesellschaft zu beziehen, grundlegend zu diskutieren, mit den heutigen gesellschaftlichen Fragen in Beziehung zu bringen.
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Der Maler und das Mädchen
Zunächst die Zeichungen von Rembrandt angesehen: eigenartige Distanz, solch einen Leichnam einer Frau zu zeichnen und dann ans kolorieren zu denken. Ein intensiver Schluss. Wieder überzeugend die Sprache, die so norddeutsch wirkt, das Hineintauchen in andere Personen. Alles läuft letztlich auf den Moment des Zeichnens hinaus. Das Kapitel in Geert Maks Geschichte von Amsterdam ist eine gute Begleitlektüre, dort war mir das Bild auch schon vor einigen Jahren begegnet, aber in der komplexen Geschichte Amsterdams untergegangen.

Eine schöne Lesung mit Magriet de Moor im NDR in Hannover hatte dieses Buch vorbreitet.
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Glück als Umfangensein
"Mit dem Glück ist es nicht anders als mit der Wahrheit: Man hat es nicht, sondern ist darin. Ja, Glück ist nichts anderes als das Umfangensein, Nachbild der Geborgenheit in der Mutter. Darum aber kann kein Glücklicher je wissen, daß er es ist. Um das Glück zu sehen, müßte er aus ihm heraustreten: er wäre wie ein Geborener. Wer sagt, er sei glücklich, lügt, indem er es beschwört, und sündigt so an dem Glück. Treue hält ihm bloß, der spricht: ich war glücklich. Das einzige Verhältnis des Bewußtseins zum Glück ist der Dank: das macht dessen unvergleichliche Würde aus." Theodor W. Adorno, Minima Moralia, Frankfurt 1970: Suhrkamp, 143f.
Noch so viel Lektüre und Diskussion über Glück ist es doch beruhigend, zu Adorno zurück kehren zu können.
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Bewußtsein und Hirnforschung
Wie können wir uns überhaupt selbst bewußt sein und welche Voraussetzungen sind dafür notwendig , damit setzt sich der "Ego-Tunnel" von Thomas Metzinger auseinander. Wir simulieren dieses Bewußtsein, wie an verschiedenen Beispielen gezeigt werden kann, wenn diese Simulation offensichtlichen Irrtümern aufgesessen ist oder wenn wir plötzlich neben uns stehen sehen. Manchmal ist die Beziehung zur Hirnforschung doch etwas zwanghaft, die Tunnel-Metapher nicht wirklich notwendig, und die Beschäftigung mit simulierten Körperteilen erscheint sehr künstlich. Die Auseinandersetzung mit eigenen "Out-of-Body"-Erlebnissen ist m.E. doch ziemlich überinterpretiert. Trotzdem ist die Auseinandersetzung mit den strukturellen Fragen des Bewußtseins sehr interessant. Dem Aspekt der Sprache und ihrer Genese in der individuellen Entwicklung in der Interaktion wird allerdings viel zu wenig Raum zu gemessen. Da wird dann leicht eine Vergleichstabelle zwischen Freud und Neurobiologie trivial und falsch. Hier wäre ein Vergleich zwischen moderner psychologischer Forschung und Neurobiologie angemessener.
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Der Anfang von etwas Schönem
Lizzie Doron hat einen bemerkenswerten Roman über die Lebensgeschichten von 3 Kindern von Holocaust-Überlebenden aus einem Stadtteil von Tel Aviv geschrieben. Es scheint, dass das Trauma der nach dem Krieg geborenen fast ebenso groß, teilweise größer ist, wie das der Eltern, die die Konzentrationslager überlebten. Der Roman ist nicht "hinreißend komisch", wie der Klappentext weis machen will. Mich hat der Roman mitgenommen und berührt. Die Kinder kämpfen mit einer psychischen Last, die sie von den Eltern nicht übernehmen wollten, jeder endet in einer individuellen Tragik. Das dies auf nicht alle zutrifft, scheint Lizzie Doron selbst aufzuzeigen und der Erfolg ihrer Romane. Ich bin auf weitere Texte von ihr gespannt. Eine Kurzdarstellung bei der Lyrikwelt: Rezension von Sigrid Brinkmann in freitag
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Warum wir kooperieren.
Michael Tomasello legt eine interessante Studie vor, in der er die Verhaltensweisen von Kindern mit Primaten vergleicht und so jeweils auf Gleichheiten und Unterschiede verweisen kann, die die Grundlagen unseres Vermögens zur Kooperation sind. Interessant sind z.B. die Modifikationen der Hilfsbereitschaft von Kindern, wenn sie gelobt werden: Die intrinsische Motivation wird zu einer äußeren und damit auch ggf. geringer. Nicht immer sollten wir Kinder für ihr positives Verhalten loben, sondern es einfach nur wahrnehmen. Auch andere Studien sind in diesem Vorlesungsskript höchst interessant: Wie entsteht Konformität, wie Kooperation, weshalb verschwindet der individuelle Kampf ums Überleben, wann entstehen Normen,... Die Rolle von Als-ob-Spielen, symbolischer Kommunikation ist wichtig. Ein Schlüssel ist die gemeinsame Nahrungssuche, die eine kooperative Selektion auslöste: "Dies bedeutet, daß die meisten, wenn nicht gar alle hochkomplexen Kooperationsformen moderner Industriegesellschaften...auf Fähigkeiten und Motivationen zur Kooperation aufbauen, die im Kontext der Interaktion in kleinen Gruppen entstanden sind: also genau den Formen altruistischer und kooperativer Handlungen, die wir in unseren einfachen Studien mit Menschenaffen und Kindern beobachtet haben." (S. 82) Hier zeigten sich sehr deutlich die Unterschiede, die die menschliche Kooperation ausmachen.
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Der Koch - Martin Sutor
Und jetzt tauche ich in die tamilische Kultur ein. Auch wenn andere Kritiker die Überfrachtung des Romans schon angemerkt haben, ich bin erst auf den ersten 40 Seiten und habe Lust auf Essen aus Sri Lanka und Südindien bekommen. Der Aufschlag ist nicht schlecht, man fragt sich, woher Sutor die (Realitäts-) Informationen nimmt. Mal sehen, wie sich dies so entwickelt, eine Urlaubslektüre ist es auf jeden Fall. Jede Stadt sollte doch auch ein tamilisches Restaurant haben, jetzt nach dem die tamilischen Tiger ihren Kampf verloren haben. Dabei muss ich an eine Freundin aus der Schulzeit denken, die jetzt eins der hervorragendsten Cafes in Bombay führt und die ich seit 45 Jahren nicht gesehen habe. Der Link kommt bald nach.
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